Geschäftsbericht 2014/15 Geschäftsbericht 2014/15
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Gesellschaft

Soziale Verantwortung überall dort zu leben, wo wir tätig sind, ist Teil unserer Unternehmenskultur. Dieses Selbstverständnis spiegelt sich in der Unterstützung vielfältiger gemeinnütziger Projekte wider. Eingebettet in unsere Nachhaltigkeitsstrategie ist die TUI Care Foundation. Diese wird künftig das gesellschaftliche Engagement unseres Konzerns unter einem Dach bündeln, da wir davon überzeugt sind, dass man große Herausforderungen mit vereinten Kräften ­bewältigen sollte.

Durch Innovation und Kooperation können wir die größten globalen Herausforderungen der Tourismusbranche angehen. So positionieren wir uns als zukunftssicheres Unternehmen.

Auswirkungen touristischer Aktivitäten messen

In 2014 hat die TUI Group in Kooperation mit der bri­tischen Travel Foundation und PricewaterhouseCoopers ein neues, ganzheitliches Verfahren erprobt, das durch Touristen verursachte Umwelteinflüsse misst und die wirtschaftlichen, steuerlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Folgen des Tourismus quantifiziert und bewertet.

Die sog. TIMM-Studie konzentrierte sich auf 60.000 TUI Kunden, die ihren Urlaub in acht Hotels auf Zypern verbrachten. Die TUI Group unterstützte dieses Pro­jekt durch Gewährung von Zugang zu ihren Hotels und Lieferanten, Bereitstellung von Daten für die Analyse, fachliche Überprüfung des Berichts und Mitwirkung im Beratungsgremium. Ziel des Projekts war es, u. a. ne­gative Umweltauswirkungen zu erkennen und zu minimieren. Zugleich sollten die positiven Effekte des Tourismus identifiziert werden, um diese weiter zu stärken.

Die wegweisende Pilotstudie belegt, dass es nicht ausreicht, Erfolge lediglich anhand einzelner Faktoren wie beispielsweise der Entwicklung der Gästezahlen zu messen. Dies bringt klare Erkenntnisse über die Auswirkungen dieser Gäste vor Ort. Die Untersuchung zeigt auch, wie wichtig es ist, über grundlegende Wirtschaftskennzahlen hinauszugehen. So bleiben beispielsweise bei der Diskussion der Vorteile für die Destinationen häufig Steuereinnahmen aus dem Tourismus unberücksichtigt. Im Fall Zyperns haben sich diese Einnahmen in Höhe von umgerechnet 25 € pro Kopf und Übernachtung aber als außerordentlich positiver Effekt erwiesen. Abflugsteuern machten nur 10 % dieses Gesamtbetrags aus, der auch andere Steuern wie Körperschaftssteuer, Mehrwertsteuer und Einkommensteuer umfasst.

Die Studie hat auch ergeben, dass ein erheblicher Teil der Gesamtauswirkungen des Tourismus indirekt aus Aktivitäten der Lieferketten sowie Tourismusausgaben stammt. In Lieferketten und durch sonstige von Gästen in Anspruch genommene Dienstleistungen entsteht nahezu 14-mal so viel Müll wie durch die Hotels selbst (1,8 kg Müll pro Kopf pro Nacht in den Hotels in Rela­tion zu 25 kg in der Lieferkette).

Die Ergebnisse belegen klar, dass durch die touristischen Aktivitäten überwiegend positive Effekte entstehen. Wirtschaftliche und soziale Effekte von mehr als 84 € pro Kunde und Nacht überwiegen die Umweltkosten von rund 4 € deutlich. Die durch einen einzelnen Touristen verursachten Umweltschäden sind zwar vergleichsweise gering – diese Effekte fallen aber im Laufe der Jahre millionenfach an. Hier muss ein sorgsames Umweltmanagement angewendet werden, wenn Destinationen auf lange Sicht attraktiv und lebenswert bleiben sollen.

TOTAL IMPACT MEASUREMENT & MANAGEMENT AM BEISPIEL ZYPERN 2013

32,3 Mio. €

Wirtschaftliche Dimension: Löhne und Gehälter, Gewinne, immaterielle Vermögenswerte und Investitionen

13,8 Mio. €

Steuereinnahmen: Ertragssteuern, Verkehrs- und Verbrauchsteuern, Lohnsteuer und Sozialversicherung

84

wirtschaftlicher und 
steuerlicher Nettozuwachs pro Gast und Nacht

16,8 MIO. €

Löhne und Gehälter

696 TSD. € – 3,6 MIO. €

Human Capital

6,6 MIO. €

Verkehrs- und
Verbrauchssteuern
(v.a. Umsatzsteuer)

608 TSD. €

Abfall

1,4 MIO. €

Treibhausgas-
emissionen

171 TSD. €

Flächen-
verbrauch

Positive Effekte
Negative Effekte

Tunesien: Türen zum Tourismus öffnen

Tunesien befindet sich nach dem fatalen Anschlag auf Touristen im Sommer 2015 aktuell in einer schwierigen Phase, die die Bündelung aller Anstrengungen für den sozialen und wirtschaftlichen Aufschwung notwendig macht.

Der Tourismus ist einer der Schlüsselsektoren des Lands, der sich besonderen Herausforderungen gegenübersieht. Befragungen zeigen, dass Touristen in Tune­sien besseren Service und mehr Kunden­orientierung erwarten. Frauen bieten sich hierbei zahlreiche Be­schäftigungs­möglichkeiten, das verbreitete traditionelle Rollenbild erschwert jedoch vielen Frauen den Eintritt in den Arbeitsmarkt. In tunesischen Hotels liegt der Be­schäftigungsanteil von Frauen heute häufig unter 20 %.

Seit 2012 unterstützt die TUI daher ein Projekt der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Ziel der gemeinsamen Initiative ist die Förderung und Entwicklung des tunesischen Tourismus durch die bessere wirtschaftliche Integration von Frauen. Zudem sollen vorteilhaftere Arbeitschancen und -bedingungen und neue kulturorientierte Perspektiven für Frauen im Tourismussektor geschaffen werden. Die Finanzierung des Projekts erfolgte bis 2014 durch das Bundes­ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die TUI zu gleichen Teilen. Seit 2015 ist die TUI ideeller Partner.

Im Rahmen des Projekts soll die Qualität der Ausbildung verbessert und jungen Frauen in Zusammenarbeit mit der privaten Hotelfachschule Institut Maghrébin de Management et de Tourisme (IMMT) soll der Zugang zum touristischen Arbeitsmarkt erleichtert werden.

Seit 2014 wurden insgesamt 44 Stipendiatinnen für eine zweijährige Ausbildung ausgewählt. Seither werden sie durch Zusatzkurse in Sprachen, persönlichem Auf­treten und Verhalten im Hotel gefördert. Zudem wurde ein Kooperationsabkommen mit zehn Hotels unterzeichnet und die Stipendiatinnen wurden in begleitete Praktika vermittelt. Bereits zehn junge Frauen wurden im Anschluss in eine feste Beschäftigung übernommen.

Dominikanische Republik: Projekt CHANCE

Zusammen mit vier weiteren Hotelketten hat Riu Hotels & Resorts in 2015 eine Initiative mit dem Titel CHANCE gestartet. Mit 66 Schülern in der Domini­kanischen Republik, die sonst kaum Zugangsmöglich­keiten zu Ausbildungsberufen haben, wurde im Sommer 2015 ein zweimonatiger Trainingskurs durchgeführt. In dieser Zeit wurden Praxiseinheiten im Bereich Restaurant, Bar und Küche absolviert und im theoretischen Teil gab es neben Mathematik-, Englisch- und Spanischunterricht auch die Vermittlung von Tourismuswissen. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Nationalen Institut für Technische Berufsausbildung (INFOTEP) durchgeführt.

Alle Beteiligten haben dieses erste Projekt überaus positiv bewertet. Die Jugendlichen aus den Gemeinden Bavaro und Veron konnten eigene Vorlieben und Fähigkeiten im Tourismusbereich entdecken und die Hotelgesellschaften lernten potenzielle Berufsein­steiger besser kennen. Für die beteiligten Hotels ist das Projekt zudem ein wichtiger Beitrag für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Übernahme sozialer Verantwortung in einer Kerndestination. Ein zweites Projekt ist bereits in Vorbereitung.

Curaçao: Kids Council

Die TUI Benelux hat auf Curaçao einen Kinderrat gegründet. Das Kids Council ermöglicht Kindern im Alter von zehn bis zwölf Jahren, an der künftigen wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung der Destination teilzuhaben.

In der ersten Projektphase beteiligten sich bereits 50 Kinder. Die Aktivitäten des Kinderrats drehen sich um die Fragestellung „Wie kann der Tourismus dazu beitragen, Curaçao zu einer noch lebenswerteren Insel zu entwickeln?“. Die kreativen Ideen und Ansätze der Kinder werden neben der TUI weiteren touristischen Einrichtungen, wie dem Curaçao Tourism Board, dem Flughafen, Ministerien und Hotels, mitgeteilt.

Umgesetzt wird der Kinderrat in Zusammenarbeit mit der Missing Chapter Foundation und UNICEF. Die Initiative leitet sich aus den „Children’s Rights and Business Principles“ ab und ist ein Beispiel erfolgreicher Destinationszusammenarbeit.

Kinderschutz

Zahlreiche Konzerngesellschaften unterstützen den Verhaltenskodex für die Tourismusindustrie (Child Protection Code), der auf der UN-Menschenrechtserklärung und der UN- Konvention über die Rechte der Kinder basiert. Der Kodex wurde mit ECPAT International erarbeitet.

ECPAT steht für End Child Prostitution, Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes. Die Organisation wurde 1990 gegründet, damals mit dem Hauptaugenmerk auf asiatischen Staaten. Heute kämpft ECPAT weltweit gegen Kinderprostitution, Kinderpornografie und Kinderhandel und hat Vertre­tungen in 74 Ländern. Ziel ist, die Rechte von Kindern weltweit durchzusetzen, mit Kampagnen auf die sexu­elle Ausbeutung von Kindern aufmerksam zu machen und das Problem international zu enttabuisieren.

Mit entsprechenden Hinweisen in Katalogen, Gäste­informationen, Websites, Inflight-Magazinen, Broschüren, Flyern und teilweise Bordvideos werden die Gäste über das Engagement der TUI informiert. Schulungen für Mitarbeiter an den Unternehmensstandorten und Destinationen tragen zur Enttabuisierung und Sensibilisierung bei.

Kernbereiche
des Lieferanten-
kodex
UMWELT UND
GEMEINWOHL
ARBEITS-
BEDINGUNGEN
BEKÄMPFUNG VON
KORRUPTION
INFORMATIONS-
SICHERHEIT
GESUNDHEIT UND
SICHERHEIT

Destinationsprojekte mit der Travel Foundation

Die TUI arbeitet seit langem partnerschaftlich mit der Travel Foundation zusammen. Zusammen mit der gemein­nützigen Organisation arbeiten wir an strate­gischen Projekten, die sich mit Nachhaltigkeit im Tourismus befassen.

BEISPIELE DESTINATIONSPROJEKTE

Auf den Kapverden haben wir geholfen, einen Destinationsrat einzusetzen, der sich mit Nachhaltigkeitsthemen befasst. Die dort diskutierten Aspekte umfassen lokales Handwerk, die Entwicklung neuer Ausflüge und ein Engagement für saubere Strände.

Auf Zypern arbeiten wir mit der Travel Foundation im Rahmen von Projekten zusammen, die unter anderem zur Aufnahme von Mindestnachhaltigkeitsstandards in die nationalen Bewertungssysteme für Hotelqualität geführt haben.

Auf Jamaica unterstützen wir Projekte zur Entwicklung kultureller Ausflüge und Förderung der lokalen Wirtschaft in Montego Bay.

Wir haben die Entwicklung einer Online-Plattform für Walhaibeobachtungen unterstützt. Die zusammen­getragenen Verhaltensregeln sind zum verbindlichen Standard in der Quintana-Roo-Region in Mexiko bei der Beobachtung dieser Tiere geworden.

Menschenrechte

Der Tourismus verbindet Menschen und Märkte und ist einer der weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige. Als international tätiges Unternehmen sind wir in vielen Ländern der Welt zu Hause und nehmen die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahr.

Die TUI erkennt die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte an. Unser Bekenntnis spiegelt sich ausdrücklich in dem konzernweit gültigen TUI Verhaltenskodex wider. Wir respektieren die persönliche Würde, die Privatsphäre und die Persönlichkeitsrechte jedes Einzelnen. Jegliche Diskriminierung, Kinder­arbeit oder unwürdige Arbeitsbedingungen werden nicht geduldet. Unser internes Hinweisgebersystem ermöglicht weltweit die vertrauliche und anonyme Meldung von schwerwiegenden Verstößen gegen den Verhaltenskodex.

Zudem dient der TUI Verhaltenskodex für Lieferanten als Leitfaden, der die ethischen Erwartungen an unsere Geschäftspartner zusammenfasst. Der Kodex spiegelt den internen Verhaltenskodex wider und präzisiert, was wir meinen, wenn wir von ethischen Geschäftspraktiken sprechen. Die Nachhaltigkeit in der Lieferkette ist somit wichtiger Bestandteil unserer unternehmerischen Verantwortung.

Die TUI Group hat den globalen Ethikkodex für den Tourismus der Welttourismusorganisation UNWTO unterzeichnet – als weiteren Ausdruck unseres Bekenntnisses zur Einhaltung der Menschenrechte und Wah­rung der Grundfreiheiten aller Menschen.

Die Arbeit der TUI Stiftung

Europa-Verdrossenheit: Jugendprojekt „Europa Verstehen“ steuert gegen

Aktuelle Herausforderungen wie Finanzkrisen und zunehmende Flüchtlingszahlen erfordern gemeinsame europäische Antworten. Doch beim Thema Europa zucken viele Jugendliche und Erstwähler nur mit den Schultern. Nicht mal jeder zweite von ihnen ging 2014 zur Europawahl.

Ende August hat die TUI Stiftung zusammen mit der Schwarzkopf-Stiftung in Hamburg das Projekt „Europa Verstehen“ gestartet. In den Kompaktkursen diskutie­ren Schüler allgemeinbildender Schulen und Berufsschulen einen halben Tag lang über die EU. Ziel ist es, grund­legende europapolitische Kenntnisse zu vermitteln und Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Geleitet werden die Kurse von jungen, überwiegend studentischen Trainern, die vor allem ihre Begeisterung für Europa weitergeben wollen.

»Die Zukunft Europas liegt in den Händen der jungen Generation. Das Projekt ,Europa Verstehen‘ bietet die Chance, die Begeisterung der jungen Menschen für ein gemeinsames Europa zu stärken.«

THOMAS ELLERBECK, Vorsitzender des Kuratoriums der TUI Stiftung

3 FRAGEN AN

Name
Chris Drews
Position
Jura-Referendar und Trainer bei „Europa Verstehen“
Verantwortlich für
Schülertrainings im Rahmen des Projekts in Hamburg

Was sind die häufigsten Vorurteile, mit denen junge Leute in den Kompaktkurs kommen?

DREWS: Die Schüler haben gar nicht so viele Vorurteile gegenüber der EU. Das Problem ist vielmehr, dass die Schüler schlicht kein Interesse an der EU haben und von dem komplexen Thema überfordert sind

Aber wie kann man das Interesse wecken?

DREWS: Wir Trainer zeigen den Schülern, was die EU mit ihnen zu tun hat. Und zwar konkret. Da geht es erstens um Möglichkeiten wie Erasmus+. Die wenigsten wissen, dass das Programm nicht nur Auslandsaufenthalte für Studenten kofinanziert, sondern auch von Schülern und Azubis wahrgenommen werden kann. Und zweitens verdeutlichen wir, wie politische Entscheidungen den Alltag maßgeblich beeinflussen. Und es macht dann Spaß zu merken, wie bei den Schülern der Groschen fällt. Die machen dann auch bei schwierigen Themen wie dem Gesetzgebungsprozess plötzlich mit.

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, um das Interesse von Jugendlichen an der EU zu steigern, was wäre das?

DREWS: Mit einem Wunsch ... so einfach geht das bestimmt nicht. Politik ist kompliziert. Und es liegt an der Zivilgesellschaft, sich damit auseinanderzusetzen. Dass sich zum Beispiel Stiftungen hier einbringen, ist mit Sicherheit sehr wichtig. Das kann gern wachsen. Und dann sind noch die Medien gefordert, verständlicher und vorurteilsfrei zu berichten. Aber das ist auch leichter gesagt als getan.